Lot description:
Antike Byzanz
Theodora, 1055-1056, Histamenon (4,43 g), Konstantinopel. Av.: Stehender und kreuznimbierter Christus von vorn, in der linken Hand das Evangelium, darum Umschrift. Rev.: Links die stehende Kaiserin mit Loros und Pendilienkrone, rechts die nimbierte Maria im Maphorion, beide gemeinsam ein Labarum zur Mitte haltend, darum Umschrift. Sear 1837, vorzüglich. Erworben am 16.04.1964 als Los 456 in Auktion 24 bei Hess. Kaiserin Theodora regierte von 1055 bis 1056 als alleinige Herrscherin des Byzantinischen Reichs. Als jüngste Tochter von Kaiser Konstantin VIII. und Schwester der Kaiserin Zoë gehörte sie zur angesehenen makedonischen Dynastie, die seit dem späten 9. Jahrhundert über Byzanz herrschte. Theodora übte erstmals im Jahre 1042 kurzzeitig die Macht aus, als sie nach dem Sturz von Michael V. gemeinsam mit ihrer Schwester Zoë regierte. Zoë heiratete jedoch bald darauf Konstantin IX. Monomachos, wodurch Theodora wiederum aus der Politik verdrängt wurde. Nach dem Tod Konstantins IX. im Jahre 1055 wurde Theodora, obwohl sie bereits betagt und ohne Erben war, aufgrund des Fehlens eines klaren Nachfolgers und des Einflusses der Hoffraktionen, die die Legitimität der makedonischen Dynastie bewahren wollten, erneut auf den Thron berufen. Als Kaiserin war Theodora für ihre entschlossene und unabhängige Herrschaft bekannt: Sie widerstand dem Druck zu heiraten oder einen Mitkaiser zu ernennen sehr entschieden und war entschlossen, die volle Kontrolle über das Reich zu behalten. Ihre Regierung konzentrierte sich darauf, die kaiserliche Autorität zu festigen und die Macht der Aristokratie und der militärischen Elite einzudämmen. Sie beförderte fähige Beamte aus der zivilen Verwaltung anstatt sich auf die traditionellen Adelsfamilien zu stützen, und setzte damit die Politik der Zentralisierung fort, die die makedonische Dynastie geprägt hatte. Trotz ihrer kurzen Regierungszeit gelang es Theodora, die innere Stabilität zu wahren und die Verwaltungsfunktionen des Reichs aufrechtzuerhalten. Ihre Weigerung, einen Thronfolger zu benennen, führte jedoch zu politischer Unsicherheit. Im Jahr 1056 erkrankte Theodora schwer und ernannte unter dem Druck ihrer Berater widerwillig Michael VI. Bringas, einen hochrangigen Hofbeamten, zu ihrem Nachfolger. Sie starb kurz darauf, Ende 1056, und beendete damit die direkte Herrschaft der makedonischen Dynastie. Theodoras Münzprägung spiegelt die traditionelle kaiserliche Ikonografie wider und zeigt sie oft gekrönt und in kaiserlichen Gewändern, das Kreuzzepter und einen Kreuzglobus haltend - Symbole göttlicher Autorität und Souveränität. Diese Münzen untermauern ihre Legitimität als rechtmäßige Herrscherin in einem von Männern dominierten politischen Umfeld. Ihre Herrschaft, wenn auch kurz, blieb in Erinnerung, weil sie die Autorität des Reichs während einer kritischen Übergangsphase bewahrte. Nach ihrem Tod trat das Reich allmählich in eine Phase des Niedergangs ein, die von inneren Konflikten und äußeren Bedrohungen geprägt war.
Starting price: 1000 EUR |  |